15. Juli 2015

Heute habe ich meinen persönlichen Frust des Tages dabei, eine Frage und ein paar nicht sehr gute Bilder – das Wetter ist gefühlt und fototechnisch fürchterlich.

Vom Frust des Tages erzähle ich Euch unter den Bildern, deshalb kommt direkt meine Frage. Im Rheiderland gibt es jede Menge Kühe, die meistens auf den großen Wiesen unterwegs sind. Die Kälbchen sind von den Müttern getrennt; sie sind oft auf kleineren Wiesen untergebracht. Warum man Kühe und Kälbchen trennt, haben wir bei Google erforscht und auch verstanden.

Bei einem Hof stehen aber hinter dem Hof ganz kleine Drahtboxen, in die genau ein Kälbchen passt. Eigentlich ist das auch ein Hof, wo die Kühe immer draußen stehen und wir fragen uns nun, was für einen Sinn diese Drahtboxen haben? Versteht mich nicht falsch, mir geht es nicht darum, den Bauern schlecht zu machen oder eine Diskussion über artgerechte Tierhaltung anzufachen; ich möchte einfach nur verstehen, was der Sinn dahinter ist. Dabei ist mir natürlich klar, dass Bauernhofromantik Wunschdenken ist und auch Kälbchen Schlachtvieh sein können. Warten sie in den Boxen vielleicht auf den Abtransport?

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Jetzt kommt mein Frustbericht. Erinnert Ihr Euch noch, dass ich erzählt hatte, dass unser Hausarzt hier in Ditzum seine Praxis leider schließt? Und dass die Praxis übernommen wird? Das wurde sie zum 1. Juli tatsächlich und ich war darüber sehr froh.

Weniger froh stimmt mich allerdings, was ich dann heute in der Rheiderland Zeitung lesen durfte. Leider kann man die Artikel in dieser Zeitung online nur noch lesen, wenn man ein Abo hat, weshalb ich aus dem Bericht, der hier zu finden ist, die entscheidenden Stellen zitiere.

Übernommen wurde die Praxis von zwei Ärzten, die zusammen schon zwei Praxen betreiben; Ditzum ist der dritte Praxisstandort der Herren. Mit einem der Ärzte hat die RZ gesprochen; die folgenden Zitate sind aus dem Artikel:

Wir versuchen, das hier aufrecht zu erhalten für die Leute vor Ort.

Die Praxis in Ditzum ist täglich geöffnet, wir machen auch täglich eine kurze Sprechstunde von ein bis zwei Stunden

In Ditzum sind wir zunächst für ein Jahr. Dann müssen wir uns die Zahlen ansehen.

Natürlich sind die Zitate ein bisschen aus dem Zusammenhang gerissen, weshalb ich zunächst mal versuche, den wieder herzustellen. Die beiden Ärzte möchten die ärztliche Versorgung der Ditzumer sicher stellen, was ich sehr lobenswert finde, deshalb haben sie mit Ditzum einen dritten Standort aufgemacht. Klar ist mir natürlich auch, dass zwei Ärzte in drei Praxen nicht normale Sprechzeiten abhalten können; das geht ja aus logischen Gründen gar nicht. Deshalb also nur sehr eingeschränkte Sprechzeiten. Und dass sich eine Praxis rechnen muss, kann ich auch nachvollziehen; sollte sich herausstellen, dass Ditzum sich nicht rechnet, würde in einem Jahr die Praxis wieder geschlossen werden. Soweit der hoffentlich sachliche Bericht.

Für mich als Patient ist das aber alles nicht so einfach. Ich bin chronisch krank, habe eine Krankheit, die es nicht wirklich häufig gibt und bin ständig auf Medikamente angewiesen. Für mich ist ein Arzt, der mich und meine Unzulänglichkeiten kennt, wichtig. Ich bin oft nicht die Schnellste im Verstehen und man muss häufig langsam und ganz in Ruhe mit mir reden, damit ich gedanklich hinterher komme. Ich weiß, dass ich einen anderen Eindruck mache, aber so ist es nun mal. Wie aber soll ein Arzt, der täglich nur eine oder höchstens zwei Stunden Sprechstunde hat und in dieser Zeit viele Patienten betreuen muss, diese Zeit haben, um langsam und in Ruhe mit mir zu reden?

Das zweite Problem ist, dass ich die Aussicht, mich jetzt auf die neuen Ärzte einzustellen (es sind ja zwei), um dann in einem Jahr, wenn die Praxis sich vielleicht nicht rechnen sollte und deshalb geschlossen wird, wieder wechseln und bei einem anderen Arzt wieder von vorne anfangen zu müssen, nicht sehr erstrebenswert finde.

Klar ist mir allerdings auch, dass die Praxis sich natürlich nur rechnen kann und damit bestehen bleibt, wenn nicht jede Menge Patienten die Praxis wechseln. Will ich also, dass die Praxis über das Jahr hinaus in Ditzum bleibt, muss ich eigentlich hingehen.

Ich bin also ziemlich frustriert und ebenso ratlos. Wobei ich ziemlich sicher bin, dass es nicht nur mir so geht.