20. Januar 2016

Ich mache mir Sorgen. Nein, nicht wegen meiner Lieben oder gesundheitlicher Probleme, sondern wegen unseres kleinen Supermarktes. Mich beschleicht mehr und mehr das ungute Gefühl, dass da was im Busche ist. Ich kann Euch gar nicht sagen, wie sehr ich mir wünsche, dass ich falsch liege. Aber der Reihe nach.

Ich habe Euch vor über zwei Jahren schon mal von unserem Supermarkt erzählt, hier. Seitdem hat sich einiges verändert.

Ich gehe immer noch fast alles dort einkaufen; ich würde sagen, dass ich neunzig Prozent unseres Lebensmittel- und Toilettenartikelbudgets dort ausgebe. Die restlichen zehn Prozent wandern nach Jemgum, da hat der Inhaber unseres Supermarktes einen zweiten Laden, der deutlich größer ist als unserer. Ich bin auch immer noch der Meinung, dass unser Laden nur überleben kann, wenn man dort nicht nur die Sonntagseinkaufsmöglichkeit nutzt oder mal die vergessene Tüte Mehl holt – deshalb kaufe ich möglichst alles dort.

Im Juli 2014 wurde die Fleisch- und Wursttheke geschlossen; ich gehe davon aus, dass sich ihr Betrieb einfach nicht mehr rentierte. Wo vorher die Theke war, wurde eine Wand gezogen. Frisches Fleisch gibt es jetzt nur noch abgepackt, aber immerhin. Der abgetrennte Raum der ehemaligen Fleisch- und Wurstabteilung gehört heute zu einem Imbiss.

Einige Zeit später wurde im hinteren Laden ein größerer Bereich abgetrennt, wodurch der Laden deutlich kleiner wurde; warum das gemacht wurde, habe ich damals nicht verstanden. Heute sind in dem abgetrennten Bereich (wenn ich richtig liege) Serviceräume für Wohnmobilisten. Am Supermarkt war immer schon ein kleiner Stellplatz für Wohnmobile, der inzwischen allerdings ausgebaut und deutlich vergrößert wurde.

Die Auswahl in unserem Markt ist immer noch eher klein, aber (für uns) absolut ausreichend – ich mag große Supermärkte mit viel Auswahl immer noch nicht.

In der letzten Zeit ist es jetzt aber schon zweimal passiert, dass ich nach etwas gesucht habe, das unser Markt immer im Angebot hatte (einmal Räucherlachs und einmal Kräuterbutter), was ich aber nicht finden konnte. Ich habe jeweils gefragt und in beiden Fällen die Antwort bekommen, das gäbe es im Moment nicht mehr, weil der Absatz zu gering wäre; man hätte volle Kartons wegwerfen müssen, weil sie abgelaufen waren. Das sind jetzt beides keine überlebenswichtigen Dinge, aber es ist schade, dass es sie hier nicht mehr gibt, wobei ich denke, dass sich das zur Saison hin wieder ändern könnte.

Vor ein paar Tagen nun hatten wir im Briefkasten eine Umfrage zu unserem Supermarkt mit einem Anschreiben des Inhabers: Über Qualität und Preise, Größe und Auswahl. Es gab Fragen und eine sehr sparsam ausgefallene Möglichkeit, einen freien Text zu verfassen. Seitdem habe ich Magengrummeln und Sorgen, dass wir unseren Markt hier vielleicht verlieren. Niemand, der einen Laden betreibt, der gut läuft (und die Absatzprobleme sprechen nicht unbedingt dafür), macht so eine Umfrage – denke ich mir zumindest. Eine Umfrage vielleicht, aber nicht so eine wie die, die wir im Briefkasten hatten; ich kann das nur schwer erklären. Natürlich habe ich brav alle Fragen beantwortet und auch den Platz für den freien Text gefüllt.

Für mich ist unser Laden ein ganz großes Stück Lebensqualität. Die Welt würde sich weiter drehen, wenn er schließen oder so teuer werden würde, dass der Einkauf für den täglichen Bedarf dort unmöglich wäre, aber ich fände das unglaublich schade. Ich radele mindestens einmal in der Woche (oft öfters) mit einem vollen Rucksack, aus dem meistens Lauchstangen ragen, und prall gefüllten Fahrradtaschen nach Hause. Manchmal hole ich auch nur schnell etwas, das fehlt oder auf das wir ungeplant Appetit haben.

Ich möchte unseren kleinen Laden nicht missen. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, wieder per Auto zehn oder mehr Kilometer zum Einkaufen fahren zu müssen oder nicht mal eben schnell los zu können, zu Fuß oder per Rad, und zehn Minuten später wieder Zuhause zu sein.

Lieber Supermarkt, ich würde Dir so gerne die Treue halten. Aber dafür braucht es zwei, nämlich mich und Dich.

Edit am 22. Januar 2016: Ich habe in den Kommentaren eine Ergänzung geschrieben, hier.