29. Mai 2014

In Regensburg ist Katholikentag. Ich bin ein überzeugt katholisches Mädchen und verfolge den Katholikentag deshalb in der Presse, auch den Auftritt unseres Bundespräsidenten, dessen Ansprache mich etwas aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Gelesen habe ich darüber unter anderem in diesem Artikel im Spiegel, aber auch in vielen anderen Zeitungen.

Ich mache sowas eher so gut wie nie, aber heute musste es sein: Ich habe mir die Homepage des Bundespräsidialamtes gesucht und über das Kontaktformular eine Email geschrieben, um meinem Unverständnis über die Aussage von Herrn Gauck Luft zu machen:

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

bisher war ich immer der Überzeugung, dass wir mit Ihnen einen guten, integren und nahe bei den Menschen lebenden Bundespräsidenten haben. Seit Ihrer Ansprache auf dem Katholikentag bin ich mir zumindest in Bezug auf den letzten Punkt nicht mehr sicher.

Sie haben dort das mangelnde gesellschaftliche Engagement der Deutschen beklagt. Wissen Sie eigentlich, wie eine Gemeinschaft in einem Dorf funktioniert? Wie viele Menschen dort meistens ehrenamtliche Verantwortung für das Wohl und Werden des Dorfes und seiner Bewohner übernehmen? Genauso funktionieren auch Gemeinschaften in Städten, in Form von zahlreichen Vereinen zum Beispiel.

Das Dorf, in dem ich lebe, hat beispielsweise eine Gruppe Frauen, die ehrenamtlich die Grünanlagen des Dorfes pflegt und dafür sorgt, dass es auf den öffentlichen Flächen immer grünt und blüht. Wir haben einen Dorfvorsteher, der in nahezu jedem Verein engagiert ist und mit seiner Herzlichkeit viel zur wunderbaren Atmosphäre unseres Dorfes beiträgt. Wie ihn gibt es viele Menschen hier, die das Leben anderer Menschen und nicht zuletzt auch der Touristen, die in unser Dorf kommen, schöner und reicher machen.

All diesen Menschen sind Sie, sehr geehrter Herr Bundespräsident, mit Ihrer Äußerung auf die Füße getreten, und zwar feste – Sie werten mit Ihren Worten das Engagement dieser Menschen völlig ab. Ihre Äußerung ist so furchtbar allgemein gehalten, dass es wirklich weh tut, grade dann, wenn man die Menschen kennt, auf die Ihre Äußerung wirklich überhaupt nicht zutrifft. Und davon, ich wiederhole mich, gibt es sehr viele.

Natürlich gibt es auch die Menschen, die Sie vermutlich gemeint haben, aber ich bin mir sehr sicher, dass es viel weniger sind, als Sie vermuten. Engagement für die Gesellschaft ist es auch schon, wenn jemand regelmäßig den Kindern der Nachbarn bei den Hausaufgaben hilft, beispielsweise. Darüber berichtet niemand, aber man darf trotzdem nicht so tun, als wäre es nicht existent. Genau dies haben Sie aber leider gemacht.

Mit freundlichen Grüßen und der Hoffnung, dass Sie wieder näher an die Menschen heran rücken,

Ursula Schindelhauer

Natürlich erwarte ich keine Antwort – ich hoffe, dass so viele Emails, Anrufe und Briefe dieses Inhaltes in Berlin ankommen, dass sie gar nicht alle beantwortet werden können. Eigentlich müssten die Äußerungen des Bundespräsidenten auch außerhalb des kleinen Ditzum-Blogs Widerspruch auslösen – bisher ist es aber, zumindest in den Zeitungen, die ich lese, merkwürdig ruhig.