3. Juni 2017 – Sinnieren am Abend

Kennt Ihr das auch? Tage, die schon beim Aufwachen so gebraucht sind, dass man sie am liebsten sofort umtauschen möchte? So einen Tag hatte ich heute.

Eigentlich ist gar nichts besonderes, aber man hat das Gefühl eines Gebirges vor sich und weiß nicht, wie man drüber kommen soll. Eigentlich sind alle lieb und nett, aber man ist trotzdem sauer.

Die gute Nachricht vorneweg: Ich habe ihn überstanden, den Tag, und inzwischen ist wieder alles gut.

Ich muss gestehen, dass ich ein kompliziertes Menschenkind bin. Wenn ich Quaktage habe, möchte ich eigentlich (im übertragenen Sinne) in einer Sänfte befördert werden und meine vier Buchstaben hinterher getragen bekommen. Ich finde, dass mir das dann zusteht. Das Problem an der Sache: Ich bin der Meinung, dass man mir das ansehen muss. Oder anmerken. Oder wie auch immer.

Dieter merkt natürlich immer sofort, wenn ich nicht gut drauf bin. Und natürlich fragt er mich dann, was denn los ist und was ich habe. Ich bin dann aber total beleidigt, dass er das fragt; ich bin diesen Monat 14 Jahre mit dem Mann verheiratet und er weiß immer noch nicht von selbst, was mit mir los ist? Ich antworte also, meistens in ziemlich spitzem Ton, ‘Gar nichts!’ oder sowas in der Art. Am Ton kann er natürlich sofort erkennen, dass sehr wohl was ist, aber Ihre Hoheit nicht reden will.

Ich suhle mich dann in meiner Missstimmung und mache auf ‘Die einsame Unverstandene’ – eine Rolle, die mir überhaupt nicht steht. Aber ich halte sie an solchen Tagen für angemessen. Zum Glück kennt Dieter mich sehr gut und grinst nur heimlich über mich; mein Humor ist dann nämlich auch vollkommen weg. Ansonsten versucht er heldenhaft, mich in die Sänfte zu bekommen, in die ich eigentlich ja auch gerne möchte, oder mir meine vier Buchstaben hinterher zu tragen, aber das lasse ich dann aus Trotz (und Dummheit) nicht zu.

Meistens gipfeln solche Tage in irgendwelchen vollkommen abstrusen Situationen, die mir den Kopf dann wieder gerade rücken. Heute war es ein bunter Salat mit Schafskäse.

Wir hatten gestern beschlossen, dass wir heute Abend zum Fußball einen leckeren bunten Salat mit Schafskäse essen, den ich machen wollte. Im späteren Nachmittag meinte Dieter, er hätte gar keinen Hunger auf Salat und wir sollten doch einfach ein paar belegte Brote essen. Er wusste ja, dass ich ziemlich angeschlagen war und wollte mir einfach die Arbeit ersparen.

Ich habe das – wie an solchen Tagen selbstverständlich – vollkommen in den falschen Hals bekommen und war stocksauer, dass er mir das Salat machen sozusagen nicht zutraut. Dabei war ich eigentlich froh, keinen Salat machen zu müssen, weil ich müde war, aber ich hätte mir lieber die Zunge abgebissen, als das zuzugeben.

Das war also Dieter, der aus Liebe auf den Salat verzichten wollte und ich, die ich darüber eigentlich sehr froh war, aber bockig wie ein Esel. Ist das nicht völlig verrückt? Da ist eine ganz liebe Hand, die man einfach nur ergreifen muss und eigentlich auch so gerne möchte, aber man steht sich selbst im Weg und schlägt sie aus Trotz weg?

Zum Glück bin ich darüber dann wieder ‘wach’ geworden und habe die Hand doch genommen. Und es gab belegte Brote, die wir in trauter Einigkeit gegessen haben. Den Versuch mit dem Salat starten wir morgen nochmal. Da gibt es nämlich einen neuen Tag, auf den ich mich schon sehr freue.

PS: Bei Diana möchte ich mich ausdrücklich entschuldigen; sie hat heute eine geballte Ladung gebrauchter Tag abbekommen, weil sie im falschen Moment angerufen hat – es gab allerdings heute nur falsche Momente. Das tut mir so furchtbar leid und ich entschuldige mich ganz heftig dafür.