Bildbearbeitung

Veröffentlicht am 28. September 2018

Hin und wieder werde ich gefragt, ob und wenn ja warum ich meine Bilder bearbeite. Ich bearbeite jedes einzelne von ihnen; ich bin bildtechnisch sehr eigen und deshalb muss es einfach sein. Was ich bearbeite und warum möchte ich Euch gerne erklären.

Ich fotografiere mit einer Spiegelreflexkamera und speichere die Bilder im RAW-Format; die meisten Kompaktkameras speichern die Bilder als jpeg-Dateien. RAWs sind absolut unbearbeitete Rohdateien, die genau nur das enthalten, was durch das Objektiv auf den Kamerasensor kommt, mit den Fehlern und Verzerrungen, die jedes Objektiv hat, aber dafür mit einer unglaublichen Menge an Bildinformationen. Die jpeg-Dateien, die Kompaktkameras speichern, werden schon in der Kamera nach bestimmten Vorgaben digital bearbeitet.

Ein einzelnes Bild im RAW-Format ist durchaus 30 MB und mehr groß; die Bilder, die ich hier im Blog hochlade, haben höchstens 300 kb. 100 von ihnen wären also zusammen so groß wie ein einziges Foto im RAW-Format.

Durch die Menge an Bildinformationen lassen sich RAW-Dateien wunderbar bearbeiten, ohne dass man Qualität verliert. Man muss RAW-Dateien sogar bearbeiten – unbearbeitet sind sie in aller Regel absolut unbrauchbar, was ich Euch gleich zeigen werde. Hat man sie fertig bearbeitet, speichert man sie als jpeg-Dateien, damit man sie zum Beispiel in einem Blog hochladen kann.

Natürlich werdet Ihr Euch fragen, warum man dann überhaupt im RAW-Format fotografiert und die Antwort ist ganz einfach: Weil es unglaublich viel Spaß macht, das Beste aus jedem einzelnen Foto heraus zu holen. Und das Beste bekommt man nur, wenn man RAW-Dateien mit ihren vielen Bildinformationen als Grundlage hat.

Ganz wichtig ist mir, dass die Bilder absolut realistisch und nicht durch die Bearbeitung verfremdet sind; sowas mag ich gar nicht. Ich bin ja kein Künstler, sondern möchte Euch zeigen, wie es hier ist – und das geht nur, wenn die Bilder wirklich so aussehen, wie es hier eben aussieht.

Ich arbeite mit Lightroom und Photoshop, das sind beides geniale Programme von Adobe. Es gibt sie nur als Abo; beide Programme zusammen kosten monatlich 11,89 Euro und sind wirklich jeden Cent wert.

Die Bilder, die jetzt kommen, werden größer, wenn Ihr drauf klickt. Am besten seht Ihr die Unterschiede zwischen ihnen, wenn ihr in der Großansicht per Pfeiltaste auf dem PC oder per Wischen auf dem Tablet/Smartphone zwischen den Bildern wechselt.

1. Das erste Beispiel ist ein Foto vom Hafen, aufgenommen von der Kopfseite des Hafens. Links ist das unbearbeitete Bild, wie es aus der Kamera kommt (das nennt man OOC , das ist die Abkürzung für 'Out Of Cam'), nur verkleinert und als jpeg gespeichert. Das rechte Bild ist die bearbeitete Version. 

Auf dem Originalbild links seht Ihr, dass die Ecken dunkler sind; das kommt vom Objektiv. Objektive sind rund, weshalb die Abbildungsleistung in den Ecken nicht ganz optimal ist. Horizontal ist das Bild fast gerade, aber weil ich von oben runter fotografiert habe, stürzen die vertikalen Linien, das heißt, dass das Bild vertikal verzogen ist. Außerdem hat es keine Leuchtkraft.

An so einem Bild sitze ich schon mal zehn Minuten und mehr, bist es mir gefällt. Mit dem Ergebnis rechts war ich in diesem Fall sehr zufrieden. Ich habe die Helligkeit angehoben und die Ecken aufgehellt, so dass die Belichtung gleichmäßig ist. Die vertikalen Linien sind gerade und die Farben leuchten, so wie es an dem Tag auch wirklich war. Außerdem ist es leicht nachgeschärft, was man bei RAW-Bildern immer machen muss.

2. Eine andere Sicht in den Hafen auf die ankommende Fähre. Links ist das Original, rechts die bearbeitete Version. Hier war ich auf ziemlich gleicher Höhe, so dass die vertikalen Verzerrungen nicht so groß waren, dafür war der Horizont ganz leicht schief. Auch dieses Bild habe ich aufgehellt, nachgeschärft und die Farben zum Leuchten gebracht.

3. Das Problem der Perspektive von oben und der stürzenden Linien sieht man an Gebäuden besonders gut. Als Beispiel kommen hier zwei Blicke auf die Restaurants am Hafen, aufgenommen vom Weg oben an der Hafenmauer. Links sind wieder die Originale, rechts die bearbeiteten Versionen; bearbeitet sind abgesehen von den stürzenden Linien wie immer die Helligkeit, die Schärfe und die Leuchtkraft. Bei dem oberen Bild habe ich auch den Mülleimerdeckel (links unten im Bild) entfernt, weil ich ihn sehr störend fand.

4. Natürlich mache ich manchmal auch Ausschnitte, wie bei dem folgenden Bild. Oft sehe ich erst Zuhause, welcher Ausschnitt der wirkungsvollste ist, deshalb nehme ich das Bild großzügiger auf, damit ich genug Raum zum Zuschneiden habe. Auf dem Originalbild links sind die stürzenden Linien extrem, weil ich ziemlich steil nach oben fotografiert habe; für den Ausschnitt ist das aber nicht wirklich wichtig, weshalb ich die vertikalen Linien nur leicht korrigiert habe. Extrem wichtig ist bei diesem Bild aber die durch die Fugen vorgegebene horizontale Linie; wenn da was schief ist, kann es die ganze Wirkung des Bildes kaputt machen.

5. Jetzt kommt ein Bild, bei dem ich aus dem Schatten ins Licht fotografiert habe, was immer problematisch ist. Der Vordergrund ist zu dunkel und der Himmel zu hell, weshalb ich im bearbeiteten Bild rechts die dunklen Töne aufgehellt und den Himmel leicht verdunkelt habe, so dass das ganze Bild trotz des starken Beleuchtungsunterschieds harmonisch wirkt. Zusätzlich ist es natürlich gerade gestellt und und leicht nachgeschärft.

Zusätzlich habe ich zu Erklärungszwecken den Mülleimer komplett entfernt, um Euch zu zeigen, welchen Unterschied das im Eindruck des Bildes macht. Im Gegensatz zum Mülleimerdeckel in Beispiel 3 würde ich das in diesem Falle aber nicht machen, weil der Mülleimer eben an dieser Stelle steht und zum Blick somit dazu gehört. Ich mag keine Veränderungen, die die Atmosphäre verändern.

6. Das letzte Beispiel ist ein Sonderfall und erklärt, warum man manchmal ein halbwegs gerades Bild bewusst richtig schief machen muss, damit es gerade wirkt: Klingt völlig wirr, aber Ihr seht gleich, was ich meine. Ich habe ein Schild fotografiert, das schief am Gehwegrand stand. Bei diesem Bild kam es mir aber nur auf das Schild an, und das wirkt einfach besser, wenn es gerade steht, also habe ich das Bild schief gestellt, um das Schild gerade zu bekommen. Zusätzlich habe ich es so beschnitten, dass man den jetzt schiefen Hintergrund nicht sieht.


Das war er, mein kleiner Ausflug in die Bildbearbeitung. Ich hoffe, ich habe Euch nicht gelangweilt mit dem Einblick in mein Foto-Nähkästchen. Natürlich könnte ich noch viel mehr und alles auch noch viel genauer erklären, aber ich denke, für einen Eindruck, worauf es mir ankommt und warum ich was mache, reicht es erstmal.

Wenn Ihr Fragen habt oder aber etwas doch genauer wissen möchtet, schreibt einfach in die Kommentare; ich erzähle auch gerne mehr.