Der A…lochautomat

Veröffentlicht am 1. Mai 2018

Ich glaube, es gibt ihn in vielen Familien, in unserer auch: Den A…lochautomaten. Meiner Erfahrung nach ist er bevorzugt weiblich, fortgeschritteneren Alters und davon überzeugt, zum einen der Nabel der Welt und zum anderen das wichtigste Familienmitglied seit Erfindung der Menschheit zu sein.

Der A…lochautomat kommt in der Regel durchs Telefon und ist eine Einbahnstraße: Er kann nur reden, aber nicht zuhören. Er registriert nur, wer ans Telefon geht und spult dann (natürlich ohne seinen Namen zu nennen und ohne Anrede) seine wenigen, fest in ihn einprogrammierten Sätze ab.

Es sind wirklich nicht viele, die in empört-monotonen Ton wie von einem Automaten in beliebiger Reihenfolge vorgetragen werden:

  • Ich will meine/n Schwester/Bruder/Onkel/Nichte (Reihe beliebig fortsetzbar) sprechen.
  • Mit dir rede ich nicht.
  • MIT DIR REDE ICH NICHT!
  • Es geht dich gar nichts an, worum es geht.
  • ICH tue ALLES für die Familie.

Uns hat der A…lochautomat vor ein paar Tagen ereilt; da der falsche von uns am Telefon war, kamen obige Sätze zum Einsatz. Zuerst waren wir ein bisschen verdutzt, hatten wir doch schon vor zwei Jahren deutlich zu verstehen gegeben, dass wir keinerlei Anrufe mehr haben wollten; zusätzlich hatten wir in sämtlichen telefonierfähigen Geräten die Nummern des A…lochautomaten gesperrt. Wir haben aber übersehen, dass wir Ende letzes Jahr neue Smartphones bekommen und dort die Sperrung vergessen hatten.

Dieser letzte Anruf war so skuril, dass wir darüber inzwischen nur noch lachen – und den schönen Namen 'A…lochautomat' erfunden haben. Selbiger wäre empört, wenn er wüsste, was für Heiterkeitsausbrüche er bei uns ausgelöst hat. Menschen, die an einer derartig fatalen Mischung aus Selbstüberschätzung, Dummheit und Dreistigkeit leiden, sind einfach nur albern.