Mondfinsternis

Veröffentlicht am 28. Juli 2018

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass die Mondfinsternis gestern Nacht zu dem Schönsten gehört, was ich in meinen jetzt fast 60 Jahren jemals gesehen und erlebt habe – es war absolut einmalig und faszinierend.

Sagen muss ich allerdings auch, dass wir mit völlig falschen Vorstellungen losgezogen sind (wir haben bewusst noch nie eine Mondfinsternis gesehen) und ich deshalb fototechnisch einen dicken Fehler gemacht habe – ich hatte mein Stativ nicht mitgenommen. Aber langsam und der Reihe nach.

Wenn man in den Medien Bilder von Mondfinsternissen sieht oder der Begriff 'Blutmond' bebildert wird, sieht man immer einen hellleuchtenden roten Mond. Deshalb war ich davon ausgegangen, dass ich das Stativ nicht brauche, weil lange Belichtungszeiten nicht nötig sind. Was für ein Irrtum. Diese Bilder sind nämlich entweder mit einer Belichtungsautomatik aufgenommen, wie sie zum Beispiel Smartphones haben, oder sie sind eben mit langen Belichtungszeiten auf einem Stativ fotografiert – der Mond sieht 'in echt' weder so rot noch so leuchtend aus. Sondern viel schöner und geheimnisvoller.

Im Internet hatte ich hier einen Zeitplan der Mondfinsternis gefunden; man konnte sich dort genau seinen Standort einstellen; das Ergebnis für Ditzum seht Ihr nebenstehend.

Da ich immer Sorge habe zu spät zu kommen, waren wir um kurz nach halb zehn schon draußen und mit uns jede Menge anderer Menschen. Es war noch ziemlich hell und (natürlich) vom Mond noch nichts zu sehen. Wir sind durch den Hafen Richtung Wohnmobilplatz gegangen und haben dort auf dem Weg gestanden, mit direktem Blick zum aufgehenden Mond. Wo er hätte sein müssen, hatten wir in Google Sky Map nachgesehen, das wir auf den Handys haben. Wir waren da, viele andere Menschen waren da, nur der Mond nicht, der längst hätte da sein müssen, direkt über dem Wohnmobilstellplatz, aber da war absolut nichts.

Gegen kurz nach halb elf, also schon nach der Zeit der maximalen Verdunklung, hat Dieter ihn dann entdeckt; da war er schon deutlich über den Bäumen; die ganze Aufgehphase hatten wir also gar nicht gesehen. Der Mond war nämlich ganz dunkel und fast gar nicht zu erkennen; ich musste mich richtig konzentrieren, um ihn überhaupt sehen zu können. Fotografieren ging gar nicht; ich hätte dafür das nicht vorhandene Stativ gebraucht, weil längere Belichtungszeiten als eine 40stel-Sekunde aus der Hand nicht machbar sind.

Je höher er stieg und je näher er dem Ende der totalen Schattenzeit kam, desto deutlicher wurde er sichtbar; fotografieren ging aber immer noch nicht. Zum Glück hat Dieter mich gerettet und ein Stativ gebaut; er hat meinen Rucksack auf den Weg gelegt, die Kamera darauf und sich bäuchlings dahinter. So konnte er drei Sekunden belichten und hat ein wunderschönes Bild (sogar mit Mars) gemacht. Aber, und das ist wirklich wichtig zu wissen: So sah es eigentlich nicht aus; der Mond war lange nicht so hell.

Ein paar Minuten vor dem Ende der totalen Schattenzeit habe ich dann auch noch ein Foto geschafft und einige, als dann die Sonne den Mond wieder anfing zu beleuchten. Die meisten Menschen waren da schon weg und Dieter und ich mit einem älteren Herrn, der sich einen Klappstuhl mitgebracht hatte, alleine auf dem Weg. Für uns war das der schönste Teil der Mondfinsternis; es war unglaublich, wie der Mond von links ganz langsam heller wurde und seine Farbe veränderte. Der Mars war dabei sein ständiger Begleiter; er stand ein wenig rechts unter ihm.

Wir haben noch eine ganze Weile dort gestanden und gestaunt. Gegen Mitternacht sind wir dann nach Hause gegangen, erfüllt von dem wunderschönen Erlebnis. Der Mond war da ungefähr wieder halb beleuchtet. Heute morgen um halb fünf stand er am Himmel, als wäre nichts gewesen. Er hat das ja auch schon viele Male erlebt, für uns wird es in dieser Konstellation das einzige Mal in unserem Leben gewesen sein. Ich bin so froh, dass wir dabei waren.

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Edit: Inzwischen habe ich in der Rheiderland Zeitung gelesen, dass die Mondfinsternis im Rheiderland wohl nicht so gut zu beobachten war, weil der Mond hinter Dunst und Wolken verschwunden war. Vielleicht ist das der Grund, warum er erst so spät und eben sehr blass zu sehen war. Der Einmaligkeit des Erlebnisses tut das aber nicht den geringsten Abbruch.